Einschätzung der aktuellen Technik des Reißens der möglichen deutschen Olympiateilnehmer.

von Peter Krinke (2011)


Aus aktuellem Anlass, den OS im nächsten Jahr in London, versuche ich hier eine Einschätzung der Technik im Reißen der vermutlichen deutschen Teilnehmer aus meiner Sicht vorzunehmen.

Almir Velagic, Bestleistung im Reißen 190 kg, zeigt eine Technik, die nicht zu seiner Anthropologie zu passen scheint.
Diese hat er aber bisher so geschickt angewendet, dass er damit gute und stabile Leistungen erzielt.
Die liegen meiner Meinung nach allerdings unter seinem möglichen Niveau.
Mit seiner Zugtechnik versucht er sich der HantelSchwerPunktlinie (HSL) anzupassen, statt die Hantel der KSL (KörperSchwerpunktLinie)seines Körpers anzugleichen.
Dies bedeutet, dass die Hantel nicht genügend zum eigenem Körper gezogen und dort konsequent senkrecht weiter geführt wird.
Es kommt zu einer leichten Überlagerung der Schulter über die Hantel, was zwar bei ihm einen geringen aber unnötigen Geschwindigkeitsverlust nach sich ziehen kann.
Diese Überlagerung produziert in der Folge u. A. einen Schleudereffekt, der zusätzlich bei Almir noch aus einem anderen Grund gefördert wird. Dieser bewirkt dass die Hantel zu weit von der KSL und sogar noch über die HSL nach vorne auswandert.
Die Folge davon ist, dass sich der Heber beim Abtauchen noch weiter der HSL nach vorne anpassen muss.
Eine weitere Folge ist das nicht optimale Abfangen der Last gegen die eigene KSL mit einem erhöhten Aufwand an Bremskräften.

Die Schultern und Ellenbogengelenke werden dann bei dem notwendig werdendem Ausbalancieren (Gegensteuern) der Last in der tiefen Hocke als Folge der unökonomischen Hantelflugbahn  übermäßig belastet.

Ein "weiches Mitnehmen " beim Absenken der Hantel in den Sitz ist bei dieser Technik nicht möglich, da dies immer mit einem mehr oder weniger weiten Sprung nach hinten verbunden ist.

Man erkennt diesen übermäßigen Einsatz bei Almir deutlich an der Rotation der Ellbogengelenke in der tiefen Position der Hocke.
Es ist nur eine Frage der Zeit wie lange diese unökonomische Überbeanspruchung aufrecht erhalten werden kann.

Almir Velagic als Superschwergewichtler physisch ein sehr ansehnlicher und vorzeigbarer Gewichtheber, der offensichtlich mit einer sehr robusten Natur ausgestattet ist, liegt im Vergleich zur Weltelite in seiner Gewichts- und Größenklasse mit seinen Beschleunigungswerten der Hantel bei v-1 (Startimpuls) etwa 10% und bei v-max (maximale Beschleunigung der Hantel)  gut 5% unter dem Schnitt der Weltspitze.

Wie man in den folgenden Bildprotokollen erkennen kann, hat sich unerklärlicherweise ?? seit den OS 2008 die Technik bis 2011 (zumindest beim BL-Endkampf so praktiziert) verschlechtert.
Almir versucht jetzt die Last noch weiter vorn, ca. 10 cm vor der HSL abzufangen. Dies ist äußerst uneffektiv und gefährlich.
Die aufgebrachte Schnellkraft in diesem Endkampf entspricht der von 2008. Die Lasten sind allerdings gegenüber 2008 um ca. 6 kg
geringer, bei einem ca. 3 kg höherem Eigengewicht.


Versuche von Almir Velagic mit 180 kg +, 184 kg +, 188 kg + bei den OS 2008


Im Vergleich: Almir Velagic mit 177 kg +, 182 kg +, 186 kg - im BL-Endkampf im Mai 2011.

 

Deutlich kann die Verschlechterung seiner Technik, ganz besonders das Ausscheren der Hantel im oberen Drittel des Zuges weit in einen negativen Bereich von der Schwerpunktlinie des Hebers weg, beobachtet werden.


Almir Velagic: Versuche mit 173 (li) und 182 kg (re) bei den Deutschen Meisterschaften am 7.10. 2011 in Forst.  Es ist leider eine weitere deutliche  Verschlechterung seiner Reißtechnik festzustellen!? Die Hantel wandert ab der 2. Zugphase in die gegengesetzte Richtung der Körperschwerpunktlinie wobei der Heber noch hinterher springen muss um die Last zu halten. Gegenüber den OS 2008 hat sich das Abfangen der Hantel in der Hocke um mehr als 20 cm nach vorn verlagert. Mit dieser Technik ist keine wesentliche Leistungssteigerung möglich, bei gleichzeitig erhöhter Verletzungsgefahr. Solche Abweichungen kommen eigentlich, vereinzelt nur im Anfängertraining vor.

 

Zum Vergleich einige Hantelflugbahnen von Weltklassehebern und Weltrekordlern. 


Aramnau (-105 kg) WR 200 kg.      Chymechko (+105) Bestwert 201 kg   Udachin (+105 kg) 207 kg


Scerbathis (+105 kg) 206 kg              Chigichev (+105 kg) 211 kg              Rezazazeh (+105 kg) WR 213 kg.

 

Zu bemerken ist, dass bei Udachin und Scerbathis der dicke Bauch ein Hindernis darstellt und dadurch ein schärferer Bogen produziert wird. Chigichev schneidet wie Velagic im oberen Dittel des Zuges die Schwerpunktlinie der Hantel etwas. Der Grund ist aber eine anatomische Besonderheit des Hebers, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Beim Wegheben hängt die Hantel bei Chigichev auf der rechten Seite (der Messung) etwas tiefer, dadurch kommt es während des Zuges zu einer schrägen Vorwärts - Aufwärtsbewegung der Hantel auf dieser Seite. Bei diesem Versuch bei den OS mit 210 kg konnte man auch sehen wie er diese Abweichung mit dem Vorsetzen des rechten Beines beim Aufstehen dann ausgleicht. Chigichev praktiziert eine gute Technik mit sehr guten Beschleunigungswerten ohne Geschwindigkeitsverlust während des Zuges.

 

Ein Vergleich zu Velagic:  v-1  von 159 m/s zu 127,  v-max 216 m/s zu 186 und F-Brems 119 zu 165. Der Geschwindigkeitsverlust zwischen v-1 und v-2 Chigichev  0%  zu  5%.

 

Ich sehe bei Almir Velagic eine ganze Palette von Maßnahmen die zur Anwendung kommen müssten. Dies gilt nicht nur für den reinen Ablauf der Technik, sondern insgesamt für den Einsatz der richtigen Trainingsmethode um die physikalischen Parameter zu verbessern.

Eine Betrachtung der Reißtechnik von Jürgen Spieß.

 

In der Technik des Reißen sind bei Jürgen Spieß ähnliche Besonderheiten zu erkennen wie bei Almir Velagic. Diese verhindern eine 100%ige individuelle Leistungsausschöpfung. Der markanteste Unterschied zu A.V. ist die nicht ausgeführte, aber von den BVDG -Verantwortlichen immer geforderte Parallelverschiebung der Körperwinkel während der Zugphase. Der Clou dabei ist, dass die Ausführung dieser Parallelverschiebung mit der Vorgabe der Startstellung meist verhindert wird.

 

Jürgen öffnet zuerst die Kniewinkel, gerät dadurch in Vorlage des Oberkörpers in Höhe von v-1 bis v-2 und kommt mehr als notwendig mit der Schulter über die Hantel. Der Weg der Hantel verlängert sich dann von der KSL weg in die falsche Richtung, bei gleichzeitiger Verringerung der Gesamtgeschwindigkeit.

Diese "eins zwei - Verschiebung" führt zu folgenden Nachteilen:

  1. "Schleudern" des Gewichtes
  2. Entfernung der Hantel aus der KSL
  3. Abfangen der Hantel in der Hocke nah an der HSL - allerdings nicht ganz so krass wie bei Almir Velagic.

 

Man muss sich die Situation so vorstellen: Schumi/Vettel steuern aus ungünstigem Winkel (1-2 Verschiebung statt Parallel) eine Kurve an, müssen deswegen die Geschwindigkeit verringern und können erst anschließend auf der Geraden wieder volles Gas geben und finden dort anschließend dann nicht mehr ihre Optimalspur.

 

Die Ursachen dazu wie schon 2008 in Kapitel 3 beschrieben, liegen zu ca. 90% in der Ausführung der Startphase. Den Trainern wird auch seit etwa 2 Jahrzehnten eingebläut, dass diese nach einem Leitbild ausgeführt werden soll. Diese geben diese "Erkenntnis " dann an ihre Sportler weiter. Das Leitbild gibt vor, dass die Schulter beim Abheben der Hantel 6 bis 8 cm vor der Hantel stehen sollte. Damit vergleichbar wäre, dass man von den Konfektionsgrößen aller Gewichtsklassen den Durchschnittswert berechnen und dann für alle ein Einheitstrikot produzieren würde. Wenn so nach Leitbild trainiert wird, passt sich selbstverständlich auch die dazugehörige Muskulatur bis zu einer gewissen Grenze diesem Bewegungsablauf an. Treffen diese Vorgaben aber nicht auf die Anthopometrie des Athleten zu, kann dieser nie seinen optimalen Bewegungsablauf für diese  Disziplin zur Anwendung bringen und seine Möglichkeiten ausschöpfen. Denn woher sollte er, falsch programmiert, wissen welche Startstellung für ihn optimal ist.

 

Zur Verdeutlichung ein Versuch:

Man stelle eine Person (kein Gewichtheber) seitlich auf einem im Frauenturnen verwendeten Schwebebalken, so dass die Fußspitzen etwas überstehen, dann sollte die Person sich imaginär in diese "Leitbildposition" d.h. in die Startstellung nach Leitbild (ohne Hantel) begeben.

 

Muss schon in dieser Position ein gewisses Maß an Kraft angewandt werden um das Gleichgewicht zu halten, dann steht diese Person nicht im stabilen Gleichgewicht (oder zumindest im Indifferenten) und diese Kraft fehlt in der Startphase beim Reißen. Dazu kommt das falsche "Anfahren" mit Verlust der fortschreitenden Beschleunigung auf Kosten der individuellen Hantelführung (Technik). Sollte sich der Sportler gar in dieser Position nicht auf dem Balken halten können, kann man wörtlich sagen: Er ist mit der Leidbildtheorie auf die Schnauze gefallen.

 

Das ist nicht so lustig, wenn es dadurch ein Sportlerleben lang zur Verhinderung der Ausschöpfung des eigenen Potentials kommt.

 

Man kann mit dem oben beschriebenem Verfahren Hinweise zur optimalen persönlichen Startstellung für das Reißen erhalten.

 

Es ist daher nicht sinnvoll, nach dem Vorbild eines Olympiasiegers oder Weltrekordlers eine Technik als Leitbild/Vorbild für alle zu proklamieren.

 

Hier die Hantelbahnen von Jürgen Spieß im Vergleich: 2008 zu 2011.


2008 mit 170 kg +                                 173 kg +                                            175 kg

2011 BL-Endkampf mit 163 kg +                             168 kg +  



Jürgen Spieß OS 2008 mit 173 kg            DM 2011 > 173 kg

 

Bis auf v1 131:115 und vmax mit 188:175 gibt es keine wesentlichen Unterschiede in den anderen Parametern.

 

Jürgen Spieß zeigte im Reißen bei den DM 2011 in Forst weiterhin seine alte verbesserungswürdige Konstanz in seinen Hantelflugbahnen. Im Video lässt sich bei Jürgen eine etwas veränderte Startphase erkennen die sich aber nicht positiv auf die Gesamtbewegung auswirkt. Auffallend ist, dass z.B. im direkten Vergleich von gerissenen 173 kg bei den OS gegenüber in Forst die v-max von ehemals 188 auf 175 m/s gesunken ist. Insgesamt lässt sich auch eine geringere Startkraft beim Wegheben feststellen. Die Folge ist, dass es bei Minderung der Schnellkraftfähigkeit immer schwieriger wird die notwendige Zughöhe zu erzielen um unter die Last zu kommen und diese auch korrekt abzufangen. Neben dem vorhandenem technischem - , liegt hier mit Sicherheit noch ein trainingsmethodisches Problem vor.

 

31.10.2011 

Wie oben bereits angedeutet, lässt sich anhand der neuesten Videoaufzeichnungen (DM) feststellen, dass bei Jürgen Spieß der Trend von dem alten Technikleitbild der grundsätzlichen Überlagerung der Schulter beim Abheben zum Reißen, zu einer besseren und wirkungsvolleren Technik geht.

Allerdings erfordert eine Umstellung bei einem Heber der bereits ein so hohes Leistungsniveau besitzt ,von den dafür Verantwortlichen ein großes Maß an langjähriger praktischer Erfahrung und know how, wie so eine Umstellung wirkungsvoll angegangen und begleitet werden muss. Das Spekulieren über die geeigneten Maßnahmen, noch unter Zeitdruck wegen der baldigen OS, könnte allerdings eher zu mehr Schaden als Nutzen führen. Wenn bei einem Haus das Fundament neu gesetzt wird, müssen die folgenden Stockwerke dem angepasst werden sonst würde dieses Gebäude für immer instabil bleiben. Der im Prinzip richtige Ansatz für dieses neue "Fundament" lässt sich bei Jürgen Spieß durchaus erkennen, nur die oberen "Stockwerke" entsprechen noch komplett dem alten Baustil (Denkmuster).

 

Deswegen lässt sich bei der Messung mit dem im IAT-Leipzig bei Dr. Lippmann/Holger Jentsch entwickeltem Weightlifting Analyser auch keine Änderung der Hantelflugbahn bei Jürgen feststellen. Dieses neue Fundament ist zumindest die Voraussetzung die Hantel mit großem Tempo ohne Geschwindigkeitsverlust in eine günstigere Position für die entscheidende 2. Zugphase beim Reißen zu bringen. Wenn diese 2. Zugphase wie bisher mit einer "Kurve" im oberen Bereich ausgeführt wird, können keine ausreichenden Ergebnisse erwartet werden. Sollte sich diese Kurve dann noch über die Schwerpunktlinie der Hantel nach vorne hinaus bewegen, ist das als allgemeiner technischer Fehler zu bewerten.

 

Wie in Kapitel 5 schon erwähnt, muss die Hantel beim Reißen von etwa dem ersten Drittel des Fußes auf dem kürzesten Weg möglichst gradlinig (bzw. schräg nach hinten) über den Kopf,  in den meisten Fällen hinter den Kopf, gebracht werden. Das ist technisch die beste Vorgehensweise. Warum sollte da vorher ein Umweg mit einer Kurve in die entgegengesetzte Richtung gemacht werden? Der Weg der Hantel wird länger. Daher wird mehr Gesamtzeit für den Ablauf des Reißens gebraucht. Außerdem muss u.U. individuell höher gezogen werden, weil die Hantel vor der Abtauchphase weiter weg vom Kopf steht und das Abfangen in der Hocke dadurch komplizierter (physisch aufwändiger) wird.

Der Heber geht nicht mit der Hantel mit und springt nicht entsprechend nach hinten. Statt abzutauchen entsteht eher ein Plumpsen in die Hocke, oft noch mit einem "Nachfedern". Das lässt sich dann an den überdurchschnittlich hohen FBrems-Werten ablesen.

 

Im Übrigen lassen sich enorme FBrems-Werte bei einigen deutschen Spitzengewichthebern auch beim Umsetzten feststellen (beim Autofahren gäbe es vergleichsweise dafür ein Fahrverbot). Diese hohen Werte sind garantiert nicht gerade schonend für Gelenke, Sehnen und Muskeln und können durch den höheren Verschleiß auch die Dauer einer Gewichtheberkarriere einschränken. Nicht unerwähnt sollen noch die Fliehkräfte bleiben, weil die Hantel sich mit einer Kurve insgesamt in der oberen Zugphase weiter weg von der Körperschwerpunktlinie des Hebers bewegt. Es gibt nur ganz wenige Artisten, die diese Fliehkräfte zu nutzen wissen. Dies ist aber eine persönliche Anlage und nicht speziell trainierbar.

 

Die allermeisten Rekorde (eigentlich alle, mit Einschränkungen in den untersten Gewichtsklassen) in der Disziplin Reißen werden hinter der HSL mit einem mehr oder weniger weitem Sprung nach hinten aufgestellt. Leider legt man sich in Deutschland mit neuer Empfehlung und rückwärts gewandtem Denken, auf ein Verharren in der Ausgangslinie bzw. nur einen geringen Sprung von 3 cm fest, statt nach hinten springen zu lassen.

 

Der Sprung beim Reißen wird grundsätzlich durch die Hantelflugbahn bestimmt und nicht durch die Anweisung des Trainers. Lieber sucht man sich ausgerechnet Athleten als Beispiele aus, deren Technik mit der "Kurve" und dem "Minisprung" sich der Fehltechnik unserer Athleten annähern und somit auf den vermeintlich" richtigen Weg" hinweisen sollen.

 

Diese Negativbeispiele von internationalen Spitzenathleten haben außerdem oft in vielen Fällen unterschiedliche Gründe die nicht unbedingt im Unwissen der ausführenden Athleten über Bewegungsabläufe in dieser Disziplin liegen.

Siehe in Kapitel 5 unter der Beschreibung der Technik (Protokolle) von Udachyn und Chigichev. Wie man erkennen kann lassen sich trotz solcher Mängel noch absolute Spitzenleistungen erzielen. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass die Leistungsgrenzen im Reißen noch nicht erreicht sind.



In dieser Zugphase lässt sich die Auswirkung der "Kurve", deutlich (vor der Brust) bei Jürgen Spieß (re)von der KSL entfernt erkennen. Neueste Videoaufnahmen von Jürgen (DM 2011) konnten hierfür wegen Überbelichtung und dadurch verursachter Unschärfe nicht verwendet werden. Eine annähernd optimal ausgeführte Technik kann man auch daran erkennen, dass die angewandte Zugkraft auf die Hantel durch den Sportler, hier von Thimo Solar in F 1 mit 136 % in F 2 mit 136 %, F 3 mit 137 % bei einem kontrolliertem Abfangen der Hantel mit FBrems 130 % gleichmäßig/fortlaufend erfolgt.

 

Bei Jürgen Spieß - Versuch DM 2011 mit 173 kg stellt sich die Situation so dar (siehe folgende Grafik). F 1 mit 134 %, F 2 mit 99 %, F 3 mit 152 % und FBrems. mit 165 % > das sind deutliche Abweichungen einer biomechanisch der Bewegung im Reißen angemessenen Norm. Solange diese Werte nicht einigermaßen harmonisiert werden können wird es nicht zu einer stabilen Technik und der möglichen Leistungsausschöpfung kommen können.

Hier ein Trainingsversuch von Thimo Solar aus dem oberen Hang (siehe Vergleich obiger Versuch an der Markierung 70. Diese Übung dient der Schnellkraftentwicklung und der "Wende" im Reißen. Die Flugbahn der Hantel deckt sich mit dem gezeigtem Versuch fast zentimetergenau.

 

Die Werte F 1 =141 %, F 2 =141 % und F 3 = 179 % mit Betonung auf F 3. FBrems =125%

 

Übrigens, es nützt nichts eine Hantel für einen Heber auf Böcken punktgenau zu platzieren, dass diese zu ihm passt, sondern der Sportler kann sich in jeder Zugposition so zur Hantel stellen, dass diese immer seinem Bewegungsablauf entspricht. Es ist aber nicht immer sinnvoll aus jeder Position Reißen zu wollen.

Bei dem wohl technisch besten Heber seiner Zeit dem 1.65 m großen Yurik Vardanian beträgt der Weg der Hantel nach hinten ziemlich genau 28 cm, gemessen 1977 bei der WM in Stuttgart.

Yurik hielt auch den Weltrekord mit 182,5 kg in der 82,5 kg - Klasse. Ädaquat dazu muss auch der Sprung dem Weg der Hantel nach hinten erfolgen. In diesem Fall etwa zwischen 8 und 12 cm damit die Hantel lotrecht und stabil ausbalanciert werden kann. Ohne Sprung, z.B. beim Verharren der Füße in der Ausgangsposition (am Strich !) müsste der Heber gegen die Flugbahn der Hantel, mit den oben schon beschriebenen Mitteln, arbeiten.

 

In den folgenden Bildern erkennt man die Hantel in der Endposition hinter dem Kopf. Bei Thimo Solar ist z.B. optimal um die 15- 35 cm hinter der Ausgangslage der Hantel (siehe Protokoll mit 140 kg). Es spielt bis zu einem gewissen Grad auch die aufgelegte Last eine Rolle. Bei Jürgen Spieß beträgt der Hantelweg (s.o. 173 kg) nach hinten nur 8 cm.


Manchmal werde ich gefragt mit welcher Übung man die Technik verbessern kann.
Wie ich festgestellt habe, steht der Gedanke dahinter, dass möglichst mit einer Übung alles korrigiert werden soll.
Das wirkt dann auf mich so, wenn ein Schüler auf ein Gymnasium geht und meint mit nur ein oder 2 Fächern allein sein Abitur machen zu können.
Die Uralt-Trainerausbildung  in Deutschland auf die ich vorher in einigen Kapiteln hingewiesen habe, hindert die Trainer daran, sich eine andere Philosophie und andere Strategien in Ausbildung und Training für das Gewichtheben anzueignen.
Vor allen Dingen mangelt es am Erkennen der komplexen Zusammenhänge in Technik und Trainingsmethodik.
Wie z.B. bei Zug breit und Zug eng, die dominant immer noch als Schnellkraftübungen für Reißen und Umsetzen angesehen und außerdem meiner Meinung nach dazu übermäßig eingesetzt werden.
Ich sehe diese Übungen in erster Linie als "technische Konditionsübungen" die man evtl. in der Aufbauphase auch als spezielles Muskelaufbautraining anwenden kann.
Thimo Solar führt z.B. grundsätzlich nie mehr als 5 Sätze Zug breit und 5 Sätze Zug eng pro Woche aus.

In einer Technikumstellung bei Jürgen Spieß sehe ich keine Probleme, sofern der Heber gesund ist und selbst eine positive Einstellung dazu hat.
Es müssen halt die richtigen Korrekturübungen mit einer dazu entsprechenden Trainingsmethodik zur Anwendung kommen.
Allerdings, eine Herausforderung die viel Konzentration und Fingerspitzengefühl von den Betroffenen abverlangt.

Darstellung der nicht erfolgten korrekten Parallelverschiebung
Darstellung der nicht erfolgten korrekten Parallelverschiebung

Tom Schwarzbach
Tom Schwarzbach
Thimo Solar (2008)
Thimo Solar (2008)
Thimo Solar (2010)
Thimo Solar (2010)

Genau so kommt diese "Technik" bei Tom Schwarzbach  (li. mit 153 kg) vor, von dem behauptet wird er könne nicht Reißen. Das bezweifle ich. Re.:  Beispiel einer Parallelverschiebung > siehe Aufteilung der Hüft- und Kniewinkel 

(2 x ) bei Thimo Solar in dieser Position.

 

Jürgen Spieß ist nach meiner Meinung von seiner Anlage ein Krafttalent der Sonderklasse und sollte "eigentlich" für Medaillen bei OS favorisiert sein.

Auffällig ist, dass trotz jetzt 8 kg höherem Körpergewicht beim Wechsel in die neue Gewichtsklasse (-105 kg) die Schnellkraftwerte für etwa die gleiche Leistung wie bei den OS 2008 gleich geblieben sind. Bei Erhöhung des Körpergewichtes durch Qualitätsmuskulatur und damit der Maximalkraft sowie dem dazugehörigem Training hätte ein Anstieg der Schnellkraftwerte für diese Lasten schon deutlich sichtbar werden müssen.

 5.7.011..............................................................................................................................................................................................................

Jürgen Spieß halte ich im Kampf um Medaillen für absolut konkurrenzfähig. Bei einem aktuellen KÖGELEIQU von mehr als 7 ( Weltklasse +)  ist beim Übergang von der 94er-Klasse in die 105 er-Klasse ist ein Leistungszuwachs ca. von 3,5 kg (KÖGELEIQU 3,5) je neu gewonnenes Kilo Körpergewicht möglich. Dazu wären die Prinzipien des KÖGELEIQU zu erfüllen:

Richtige Ernährung - richtiges Training mit der richtigen Reizsetzung für eine funktionelle Muskulatur speziell für die Abläufe des Gewichthebens. Damit könnte er seine  Bestmarke von bisher 390 kg im Zweikampf + ca. 30 bis 40 kg auf 420 bis 430 kg in der Klasse bis 105 kg Körpergewicht steigern und wäre für einen der vorderen Plätze konkurrenzfähig. Das Niveau bei OS  ist mit den Leistungen in Peking 436, 423, 420, in Athen 425, 420,415, und Sidney 425, 422,5, 422,5 ist in etwa gleichbleibend.

 

Es ist allerdings nicht voraussehbar welche Verschleißerscheinungen Jürgen Spieß durch das unselige "3 x am Tag Training "bis Anfang 2008 davongetragen hat. In der Zeit vom September 2010 bis Anfang Mai 2011 hat der Athlet 8 kg Körpergewicht neu dazu gewonnen. Trotz großem Talent ist es in seinem Alter in dieser kurzen Zeit, fast unmöglich die als Muskelmasse speziell für das Gewichtheben auszubilden.

 

Ende 2009 merkte ich an, dass es 5 vor 12 im Deutschen Gewichtheben sei - aber gerade noch genügend Zeit um zumindest eine Korrektur der Trainingsmethoden vor den OS in London anzugehen.

 

Mit Trainingsmethoden aus dem vorigen Jahrhundert, hier meiner Meinung nach mit den Erkenntnissen Anfang der 80er-Jahre und offensichtlich ohne know how wie die komplexen Funktionen der Muskelzelle, des Muskelwachstums und deren Erholungsfähigkeit für das Gewichtheben zusammen hängen, ist keine Medaille zu gewinnen. Es fehlen die Kenntnisse wie ein optimaler Gewichtsklassenwechsel im Hochleistungsbereich anzugehen und damit die gesicherte Hinführung des Athleten zur Höchstleistung zu begleiten ist.

 

Jürgen Spieß hätte, nach seinem bisher größtem Erfolg dem EM-Meistertitel 2009, direkt die Gewichtsklasse mit kontinuierlicher Gewichtszunahme wechseln müssen um bei Olympia 2012 in der 105 kg-Klasse eine erfolgreiche Rolle spielen zu können.

 

In der Zukunft wird man im Gewichtheben jedenfalls mit einem " weiter so wie bisher" für Deutschland keinen Blumentopf mehr  gewinnen.

 

Da helfen den Sportlern keine Sprüche oder Slogans als Zielvorgaben. Die mögen kurzfristig für die Medien von Interesse sein. Die  Blamage und die Erklärungsnot wird dann umso größer, wenn man diesen Vorgaben dann nicht gerecht werden kann. 

 

Der unerwartete Gewinn der Goldmedaille von Matthias Steiner 2008 hat den kontinuierlichen Abwärtstrend im deutschen Gewichtheben nicht beheben oder aufhalten, sondern vorübergehend nur vertuschen können.

 

Statt die praktischen Notwendigkeiten anzugehen, setzt man auf "Pädagogische Ansätze" mit denen man die Sportler und damit das GH in Deutschland auf Vordermann bringen will.

 

Nach der Methode und dem Prinzip des amerikanischen Psychologie- Professors Dr. Steven Reiss der die Menschen in ein Raster von 16 Lebensmotiven schiebt und aus den daraus 126 zu beantwortenden Fragen sich die Sportler gezielt besser zum Erfolg motivieren (manipulieren) lassen können sollen.

 

Ehrlich gesagt, ich habe noch nie Sportler trainiert die nicht motiviert waren und könnte auch keine Sportler trainieren die nicht motiviert sind. Das Gegenteil war/ ist bisher die Regel.

 

Trainer sollten ihr Fach beherrschen und dem Sportler vorgeben und auch erklären können, was er trainiert und warum das für ihn optimal und erfolgsorientiert ist. Das gibt dem Athleten die Sicherheit und Gewissheit die er braucht um sein Training im positiven Sinne anzugehen und anschließend in Leistung umzusetzen. Wenig sinnvoll ist, dass man mit solch einem Pseudowissen von einem Theoretiker spekuliert der höchstwahrscheinlich in seinem Leben nie im Leistungs - und Hochleistungssportbereich mit Einzelkämpfern in Berührung gekommen ist und damit u. U. noch zusätzlich neue Problemfelder setzt.

 

Tatsache ist, dass unsere Heber bei der letzten WM 2010, die als Qualifikationswettkampf für die OS 2012 proklamiert waren,  mit einem 15. , 20. , 22. und einem 23. Platz  nur in der B- und C- Gruppen gestartet sind. Die einzige Ausnahme war Matthias Steiner. Nach dem Trainingsaufwand der von den Sportsfreunden im Vorfeld aufgebracht wurde, ist es schon sehr deprimierend mit 40 - 60 kg Differenz nahezu ohne Zuschauer heben zu müssen.

 

Mit solchen Platzierungen wird sicherlich keine große Motivation, auch kein zukünftiger Siegertyp aufgebaut. Dieser große Abstand zur Weltspitze ist eindeutig ein praktisches Problem der Trainingsmethodik und der Sporttechnik und kein psychisches Problem der Sportler. Die beste Motivation ist immer noch der Fortschritt und der Erfolg, der kommt über eine optimale Sportarttechnische Ausbildung, gut durchdachtes und individuell geplantes Training mit erfolgreich bestandenen Wettkämpfen.

 

Das beste , schlechte Beispiel (Trauerspiel) solcher psychologischer Machenschaften war die Verpflichtung des auf dominante

"Motivationstechniken" setzenden Fußballtrainers Christof Daum um die gegen den Abstieg kämpfende Eintracht Frankfurt zu retten. Zuerst musste Daum mit einem Gehalt von " 250.000 € pro Monat" selbst motiviert werden.

Als erste Amtshandlung führte der "erfahrene und routinierte Trainer Ganztagstraining ein". Dann wunderte Daum sich, dass nach ein paar Trainingstagen immer mehr Spieler sich verletzt abmeldeten. Es war natürlich diesem "profiliertem und erfahrenem Fußballlehrer" nicht bekannt, dass nach einer langen kraftraubenden Bundesligasaison ohnehin die Verletzungsanfälligkeit der erschöpften Spieler steigt.

Da setzte dieser Motivationsspezialist mit 30 jähriger Berufserfahrung noch einen drauf und verdoppelte die Belastung! Eigentlich ist so etwas nur als vorsätzliche Körperverletzung zu bezeichnen. Nach dem Abstieg des Bundesligisten hieß es dann, es wurde alles Menschenmögliche getan.

Ihre "Freude" hatten die zahlreichen Zaungäste beim Training an Daums fahrigen und wirren Blicken und auch die Fernsehzuschauer an dem Geschwafel welches er im Aktuellen Sportstudio von sich gab.

Ein Verbrechen, wie man vermehrt beobachten kann, dass immer mehr alte deutsche Menschen zum Überleben an Supermärkten in den Abfallcontainern nach Essbarem suchen oder ihre magere Rente mit Flaschensammeln aufstocken müssen und andererseits solchen Kaspern das Geld nachgeschmissen wird.

 

Meinungen zu dem "Psychologischen Motivationsverfahren des Dr. Steven Reiss".

 

Auszug aus WIKIPEDIA:

 

Es ist wichtig zu betonen, dass die 16 Motive des Reiss - Profils nicht durch neue Forschungsergebnisse, sondern durch reine Statistik entstanden. Mit der Faktorenanalyse könnte man auch 6 oder 60 Basismotive "erzeugen". Leider macht der Autor keine Angaben darüber, wie konkret er vorgegangen ist. Der Test, der auf der Theorie aufbaut ist nicht prüfbar, also der Fragebogen.

Und  ....... - ihr Informationsgehalt ist gleich null (wissenschaftlich gesehen eine Binsenweisheit) . Genau das gilt für das Reiss-Profil (reliabel, aber nicht valide und damit kein Beitrag zum Erkenntnisfortschritt).

 

 

Der Journalist Jürgen Meier schrieb u.A. am 18.1. 2008 in der Zeitschrift "der FREITAG"

 

Der Professor aus Ohio (Dr. Reiss) hat lediglich Ron Hubbard ( = Gründer von Scientology) für Europa geglättet und viel vom amerikanischem Kitsch befreit. Der Zweck dieser Philosophie, ob da nun Reiss oder Hubbard drinsteht ist der gleiche. Ob Reiss oder Hubbard, jeder aktualisiert den Neopositivismus auf seine Weise und will den Blick auf die Totalität des Lebens verhindern.

Eine an sich seiende Wirklichkeit gibt es hier nicht. Der Mensch wird weder als Gattungswesen noch als Individuum verstanden. Alles wird vom "Thetan" beherrscht. Die Natur als vom Menschen unabhängige Seinskategorie, mit der der Mensch arbeitend in Beziehung tritt, wird negiert; denn alles Denken und Tun ist auf Manipulation anderer und des eigenen Selbst abgestellt. Wie wird mein Staat, mein Betrieb, mein Produkt, mein "Team", wie werde ich im "Spiel" der Konkurrenz zum "Sieger"? Das ist die Zentralfrage des Scientology-Positivismus.

 

Das erste von den 16 Reiss-Motiven lautet z.B.: "Macht > Einfluss, Leistung, Führung, Kontrolle"!

 

Ich denke das Gewichtheben sollte dem Sportler auch noch einen gewissen Spaß bereiten und diese nicht als reine Funktionsmaschinen und Ergebnisproduzenten benutzt werden. Sonst wird sich bald niemand mehr finden um Gewichtheben als Leistungssport auszuführen.

 

Wenn das Gewichtheben in Deutschland nicht bald ganz den Bach runtergehen soll, muss es bald zu eindeutigen, konsequenten und umfassenden Änderungen kommen!

Motivation - wie sie funktioniert (27.8.011 von Peter Krinke)

Es stimmt, Motivation ist eine Kopfsache und nicht jeder lässt sich gleich motivieren. Unterschiedliche Menschen reagieren unterschiedlich in der Ansprechbarkeit auf das dopaminbasierende Belohnungssystem im Gehirn die auf angeborene Unterschiede zwischen den Menschen

basieren.

Dopamin (DA) wird im Hirn produziert. Dopamin ist ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine und ein wichtiger Neurotransmitter. Im Volksmund gilt es als "Glückshormon", dass  z.B. bei intensiven sog. Flow-Erlebnis ausgeschüttet wird. Je nach Veranlagung hat der Eine mehr Dopamin in den Nervenzellen vorrätig als der Andere. Wer viel Dopamin in seinem Speicher hat, bei dem wird ein Signal besonders gut verwaltet das positive Stimmung erzeugt.

Wer besonders dazu noch sensible Rezeptoren als Empfänger für das Signal hat ist umso leichter zu motivieren, auch das ist erblich bedingt.

Und wer das Dopamin besonders gut verwenden kann, bei dem sind die Dopaminspeicher schneller wieder voll. Wem viele solcher Faktoren in den Genen stecken ist besonders leicht zu motivieren. Ein sehr reaktives Dopaminsystem ist wie ein starker Motor der mit viel Energie abzieht und ein entsprechend weniger ansprechendes System ist wie ein schwacher Motor.

In welche Richtung der Motor arbeitet ist dann noch von einem geeignetem Anreiz abhängig.

 

Das ist schon der Prozess der MOTIVATION. Man braucht dazu Energie und eine Richtung.

 

Die Richtung für das Gewichtheben geben die Wettkampftermine vor und deren Bedeutung (Gegner). Daraus ergibt sich dann der Grad der Motivation.

Zur Umsetzung der Motivation für eine Spitzenleistung im Sport braucht der Körper Energie. Diese liefert in der entscheidenden Phase das Adrenalin.

Adrenalin ist ein Stresshormon und schafft als solches die Voraussetzungen für die rasche Bereitstellung von Energiereserven die in gefährlichen Situationen das Überleben sichern sollen (Kampf oder Flucht). Diese Effekte werden auf subzellurarer Ebene durch Aktivierung der G-Protein gekoppelten Adrenorezeptoren vermittelt (G-Proteine besetzen eine Schlüsselposition in der Signalweiterleitung zwischen Rezeptor und Secound - Messenger - Systemen).

Die Herstellung von Adrenalin findet in den Nebennieren statt.

 

Wenn aber dem Athleten im Gewichtheben schon in der Vorbereitung im Training auf ein Ziel (Hauptwettkampf) übermäßig viel abverlangt wird indem er dazu motiviert (getrieben) wird, sein Training häufig im Maximalbereich, also mit 90% und mehr z. B. im Reißen und Stoßen seiner Bestmarke auszuführen, kann dieser dann im Wettkampf mit Sicherheit nicht mehr sein wahres Potential abrufen.

 

2008 las ich eine Empfehlung des BVDG, Bericht - Intensive Versuche, wobei in den 9 folgenden Wochen vor einem Hauptwettkampf ca. 30 bis 35 Wiederholungen im Reißen im Maximalbereich, d.h. Versuche mit mindestens 90% und mehr der Bestleistung zur Ausführung empfohlen werden. Beim Stoßen noch ca. 25 Wiederholungen. Das sind im Reißen dann durchschnittlich immerhin bis knapp 4 Versuche und im Stoßen bis knapp 3 Versuche pro Woche.

 

Dabei werden je nach Veranlagung die Dopaminspeicher wie auch die Adrenalinproduktion in den Nebennieren stark gefordert oder gar erschöpft.

Bei so einer großen Zahl von Intensitätsversuchen überrascht es nicht wenn der Sportler dann nicht mehr in der Lage ist, seinen Hauptwettkampf in bester Form zu bestreiten. Ich sah schon Sportler bei Übertragungen in Eurosport (auch Deutsche) die bei Welt - und Europameisterschaften auf die Bühne stolperten.

Ihre Körpersprache signalisierte eher die Haltung eines Opfers statt eines Kämpfers. Die Folge war dann auch vorhersehbar: Totalausfall oder die Anfangslast wurde mit dem letzten Hemd im 3. Versuch bewältigt.

 

Bei der direkten Wettkampfbetreuung des Sportlers ist allerdings gesunder Menschenverstand gefragt. Wenn der Betreuer/Trainer selbst schon eine skeptische Einstellung (auch körpersprachlich) zeigt, wird er seinen Schützling damit verunsichern.

 

Zur erfolgreichen Betreuung eines Sportlers im Wettkampf gehört neben der Erfahrung eine eigene gesunde Persönlichkeitsentwicklung. Der Trainer muss sich vom individuellem Wohl des Sportlers leiten lassen. Schematische Regeln oder unverstandene psychologisierende Gebrauchsanweisungen sind da höchst ungeeignet.

 

Zu meiner schmerzlichen Überraschung musste ich feststellen, dass in unserem Verband gezielt negative Beeinflussung bei der Wettkampfbetreuung eines Jugendlichen vorgekommen ist. Der verantwortliche Trainer führte den hochtalentierten aber unerfahrenen Sportler bei seinem wichtigsten Wettkampf bewusst zu einem schlechten Ergebnis. Er hat ihn nach meiner Überzeugung aus persönlichen Gründen Schaden zugefügt und damit das Vertrauen unentschuldbar missbraucht. Der Jugendliche fragte sich, nachdem ihm das Verhalten des Trainers erst Tage nach dem Wettkampf so richtig bewusst wurde,ob es überhaupt noch Sinn für ihn mache Gewichtheben weiter zu betreiben.

Er brauchte danach fast 2 Monate um sein Training wieder aufzunehmen.

 

Solches Agieren eines Verantwortlichen im Jugendbereich halte ich für zwanghaftes Machtgehabe als Auswirkung einer für diese Tätigkeit ungeeigneten Persönlichkeit. Es ist nicht verantwortbar diesem Trainer nach einem derartigem Vertrauensbruch weiterhin Jugendliche anzuvertrauen.

 

Dieses "zynische Spielchen" ist ein Fall für Kapitel 10 in DAS TRAINING auf dieser Webseite.